Textile Redensarten

In der Deutschen Sprache finden sich viele Ausdrücke die mit Textilien zu tun haben. Textil zieht sich sozusagen wie ein roter Faden durch die Sprache.

Viele Redensarten sind bekannt, manche weniger. Es ist aber erstaunlich wie gut die «Textilbranche» in der Sprache verankert ist.

Ärmel
– die Ärmel hochkrempeln (viel arbeiten)
– ein As im Ärmel haben (noch nicht alles ausgespielt, Reserven haben)
– etwas aus dem Ärmel schütteln (etwas ohne Mühe tun / etwas überraschend präsentieren
Binde
– einen hinter die Binde giessen (Alkohol trinken, feiern)
Bindfaden
– es regnet Bindfäden (sehr starker Regen)
Decke
– unter einer Decke stecken (mit jemanden gemeinsame Sache machen)
Faden
– ein roter Faden (kommt immer wieder vor, eine Leitlinie)
– am seidenen Faden hängen (bedrohliche, ernste Lage)
– den Faden verlieren (von Gedanken abkommen, nicht mehr weiter wissen)
– nach Strich und Faden (gründlich, nach allen Regeln)
– alle Fäden in der Hand haben (alles kontrollieren)
– im Hintergrund die Fäden ziehen (Vorgänge geheim steuern)
Fahne
– die weisse Fahne hissen (aufgeben)
– auf die Fahnen schreiben (etwas zum Motto machen)
Frack
– den Frack vollkriegen (verprügelt werden)
Gardinen
– hinter schwedischen Gardinen (im Gefängnis)
– Gardinenpredigt (eine strenge Rede halten)
Garn
– jemandem ins Garn gehen (auf die List eines anderen hereinfallen)
– ein Garn spinnen (etwas erfundenes erzählen)
– Seemannsgarn spinnen (Geschichten erzählen)
Handschuhe
– mit Samthandschuhen anfassen (vorsichtig anfassen)
Handtuch
– das Handtuch werfen (aufgeben, kündigen, verlassen)
Haube
– unter die Haube kommen (heiraten)
Hemd
– ins Hemd machen (Angst haben, sich wegen einer Kleinigkeit aufregen)
– jemanden bis auf das Hemd ausziehen (alles weg nehmen)
– für jemanden das letzte Hemd hergeben (alles für jemanden tun)
– die Meinung wechseln wie das Hemd (die Meinung je nach Vorteil wechseln)
– jemandem ist das Hemd näher als der Rock (die eigenen Interessen voran stellen)
– hemdsärmelig (ungezwungen, locker)
Hose
– tote Hosen ( nichts los)
– in die Hosen gehen (schiefgehen, misslingen)
– die Hosen anhaben (beherrschen)
– Jacke wie Hose (das gleiche)
– die Hosen herunterlassen (offen sprechen)
– sich in die Hosen machen (Angst haben vor etwas)
– mit abgeschnittenen Hosen dastehen (mittellos sein)
– auf den Hosenboden setzen (fleissig sein)
– die Spendierhosen anhaben (grösszügig s)
Hut
– ein alter Hut (alte Geschichten, nichts neues)
– sich etwas an den Hut stecken können (jemand kann etwas selber machen)
– alles unter einen Hut bringen (Einigung finden, etwas gemeinsam machen)
– mit einer Sache nichts am Hut haben wollen (sich von etwas distanzieren)
– seinen Hut nehmen (sich von einer Angelegenheit verabschieden)
– etwas aus dem Hut zaubern (überraschend etwas präsentieren)
– vor jemanden den Hut ziehen (Achtung haben)
Jacke
– Jacke wie Hose (das gleiche)
– jemandem die Jacke vollügen (gründlich belügen)
Kappe
– auf seine Kappe nehmen (dafür geradestehen)
Knopfloch
– mit einer Träne im Knopfloch (gerührt sein)
Knüpfen
– zarte Bande knüpfen (eine Liebesbeziehung eingehen)
Kopfkissen
– am Kopfkissen horchen (schlafen)
Korsett
– in ein Korsett zwängen (jemanden zwingen, einengen)
Kragen
– jemanden beim Kragen packen (sich jemanden vorknöpfen)
– jemandem platzt der Kragen (vor Wut die Beherrschung verlieren)
– sich um Kopf und Kragen bringen (durch Unvorsichtigkeit in Gefahr begeben)
– dieselbe Kragenweite sein (jemandem symphatisch sein, sich verstehen)
Lappen
– durch die Lappen gehen (entwischen)
– wie einen nassen Lappen behandeln (von oben herab, ablehnend)
– ein Waschlappen sein (ein Feigling sein)
Mantel
– etwas mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken (nicht davon reden)
– unter dem Mantel der Verschwiegenheit (vertraulich gesagt)
– sich einen Mantel umhängen (versuchen einen bestimmten Eindruck zu erwecken)
Maschen
– die Masche kennen (eine bestimmte Vorgangsweise erkennen)
– in die Maschen geraten (erwischt werden)
– durch die Maschen schlüpfen (entkommen)
Mütze
– einen an der Mütze haben (leicht verrückt sein, spinnen)
– eine Mütze voll Schlaf nehmen (sich zum schlafen begeben)
– eine Schlafmütze sein (langsamer, behäbiger Zeitgenosse)
– einen in der Mütze haben (Alkohol getrunken haben)
Nadel
– eine Nadel im Heuhaufen suchen (etwas suchen mit geringen Chancen es zu finden)
– wie auf Nadeln sitzen (unruhig, ungeduldig sein)
– jemandem Nadelstiche versetzen (kleine, boshafte Bemerkungen machen)
– Leichter geht ein Kamel durch`s Nadelöhr, als…(Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in den Himmel komme.
Nähkästchen
– aus dem Nähkästchen plaudern (vertrauliche Sachen erzählen)
Naht
– Nahtlos übergehen (ohne Unterbruch)
Pantoffel
– aus den Pantoffeln kippen (überrascht, verblüfft sein)
– Pantoffelheld (Ehemann, der unter der Herrschaft seiner Frau steht)
Rock
– hinter jedem Rock herlaufen (ein Frauenheld sein)
– an Mutter`s Rockzipfel hängen (von der Mutter abhängig sein)
– das Hemd ist näher als der Rock (jemandem sind die eigenen Interessen wichtiger)
Sack
– einen ganzen Sack voll (sehr viel)
– mit Sack und Pack (mit der ganzen Habe)
– wie ein nasser Sack sein (ohne Haltung, schlaff sein)
– die Katze im Sack kaufen (etwas kaufen ohne die Details zu kennen)
Samt
– in Samt und Seide gekleidet (sehr schön angezogen sein)
Schlips
– jemandem auf den Schlips treten (jemanden ärgern)
– sich auf den Schlips getreten fühlen (beleidigt sein)
Schürze
– an der Schürze von jemandem hängen (von ihm abhängig sein)
– hinter jeder Schürze herlaufen (Frauenheld sein)
– ein Schürzenjäger sein (Frauenheld sein)
Seide
– am seidenen Faden hängen (sich auf dünnem Eis bewegen)
Socken
– sich auf die Socken machen (aufbrechen, gehen)
– einen Sockenschuss haben (etwas verrückt sein, spinnen)
– von den Socken sein (sehr überrascht sein)
– eine rote Socke sein (Sozialist sein)
Spinnen
– spinnen (Dummheiten reden, leicht verrückt sein)
– ein Garn spinnen (etwas erfundenes erzählen)
– Seemansgarn (unglaubliche Geschichten)
Tasche
– jemandem auf der Tasche liegen (sich aushalten lassen)
– in die eigene Tasche wirtschaften (sich bereichern)
– jemandem Geld aus der Tasche ziehen (Geld wegnehmen wollen)
– jemandem geht das Messer in der Tasche auf (sehr wütend sein)
Taschentuch
– einen Knopf in`s Taschentuch machen (Gedächtnisstütze)
Teppich
– etwas unter den Teppich kehren (etwas verheimlichen, vertuschen)
– auf dem Teppich bleiben
– den roten Teppich ausrollen (Ehrerbietung zollen) (beherrscht bleiben, vernünftig)
Tuch
– ein rotes Tuch sein (etwas, was jemand sehr ärgert)
– in trockenen Tüchern befinden (beschlossen, erfolgreich etwas abgeschlossen haben)
– in Tuchfühlung gehen (jemandem näher kommen, begutachten)
Wäsche
– jemandem an die Wäsche gehen (verführen, belästigen)
– schmutzige Wäsche waschen (öffentlich Vertraulichkeiten bekanntmachen)
– dumm aus der Wäsche schauen (überrascht sein, glotzen)
Weste
– eine saubere Weste haben (nichts mit irgend etwas am Hut haben)
– einen Fleck auf der Weste (keine reine Weste, irgendwo schuldig sein)
– jemandem etwas unter die Weste jubeln (ihm anhängen)
– eine rote Socke sein (Sozialist sein)
Westentasche
– aus der Westentasche plaudern (eigene Erfahrungen bekannt machen)
– jemanden kennen wie die eigene Westentasche (sehr gut kennen)
Wickel
– jemandem beim Wickel nehmen (ihn fassen)
Wolle
– sich in die Wolle kriegen (miteinander streiten)
Zeug
– jemandem etwas am Zeug flicken (jemanden kritisieren)

Buchstabensuppe mit Weiheit mit den Lffeln gefressen Redensart